Allein der Abstand zum Geschehen
Lehrt uns der Zeiten Sinn verstehen.
Lehrt uns der Zeiten Sinn verstehen.
Von den Anfängen der Kirchengemeinde Gottmadingen
Die ersten Mitteilungen über evangelische Einwohner in Gottmadingen werden in den Gemeindeakten aus dem Jahre 1852 gefunden. Unter einer Einwohnerzahl von 919 Personen sind dort 8 Evangelische genannt. Der Bau der Eisenbahnlinie Konstanz-Waldshut bringt im Jahre 1861 eine größere Anzahl fremder Arbeitskräfte nach hier; die Zahl der evangelischen Glaubensgenossen erhöht sich dabei auf 42.
Im Jahre 1933 hat Gottmadingen 2057 Einwohner, darunter 189 Evangelische. Im Jahre des Kirchbaues 1936 sind es bereits 278 evangelische Glaubensbrüder. Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen erfolgt ein weiteres starkes Anwachsen im Jahr 1956 auf 4550 Einwohner, darunter 1062 Evangelische.
Seit dem Jahre 1862 werden die evangelischen Glaubensgenossen von Gottmadingen und Umgebung durch den württembergischen Pfarrer vom Hohentwiel kirchlich versorgt. Eine Anordnung der Kreisvisitatur Radolfzell von 1859 bestimmt, daß wöchentlich einmal, und zwar am Sonntag von 1 bis 3 Uhr, evangelischer Religionsunterricht im Betsaal auf dem Hohentwiel erteilt wird. Die Kreisvisitatur übt darüber scharfe Kontrolle und ordnet Strafen für Versäumnisse an. Mit der Errichtung einer Pfarrstelle in Singen 1963 wird Gottmadingen kirchlicher Nebenort von Singen.
Am 7. Mai 1905 findet erstmalig hier in Gottmadingen ein evangelischer Gottesdienst statt. Der Gemeinderat hat hierzu freundlicherweise den Bürgersaal des Rathauses zur Verfügung gestellt. Für die Ausschmückung des Gottesdienstraumes und für die Anschaffung eines Altartisches, eines Harmoniums und der Sitzbänke wird unter den Gemeindegliedern eine Sammlung veranstaltet, die 345 Mark ergibt. Die Gottesdienste werden 15 Jahre hindurch monatlich einmal abgehalten, seit 1920 zweimal.
Mit der regelmäßigen Abhaltung von Gottesdiensten im hiesigen Bürgersaal wächst der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. Seit dem Jahre 1907 werden deshalb kleinere Summen als Rücklage zu einem späteren Kirchbau bei der hiesigen Bezirkssparkasse eingezahlt. Im Jahre 1924 bietet sich die Gelegenheit zum Kauf eines Bauplatzes, der von Landwirt Albert Fahr für 24.000 Mark erworben wird. Der Kirchengemeinderat Singen beschließt am 14.2.1936 die Errichtung einer Kirche im Filialort Gottmadingen und beauftragt den Architekten Berthold Sack in Konstanz mit der Planung und Durchführung des Kirchenbaus. Schon am 8.11.1936 kann die feierliche Grundsteinlegung vorgenommen werden.

Einweihungsgottesdienst 31.Oktober 1937
Dank der Tatkraft der von der Gemeinde gewählten Baukommission wird die Kirche bereits am Reformationsfest, Sonntag, 31. Oktober 1937, eingeweiht. Noch während der Bauarbeiten wird ein Dreigeläute mit den Tönen cis‘ – dis‘ – fis‘ bei der Glockengießerei Grüninger in Villingen in Auftrag gegeben. Die Glocken, die zusammen mit der Kirche geweiht werden, dienen nur 4 Jahre hindurch ihrer Bestimmung. Schon Ende des Kriegsjahres 1941 müssen die beiden größeren Glocken den Turm verlassen; sie werden auf Grund einer Verfügung des damaligen Reichsinnenministeriums abgeliefert und verschrottet. Lediglich die kleinste Glocke cis‘ tut bis Sonntag, den 8.1.1956, weiter treu ihren Dienst in schwerer Zeit.
Die große Aufgabe unserer Kirche nach den Schlußworten der Urkunde in ihrem Grundstein
Möge dieses Gotteshaus der Jahrhunderte dauernde Mittelpunkt sein, um den sich alle evangelischen Christen Gottmadingens und seiner Umgebung vereinigen, eine gern besuchte Stätte gemeinsamer Andacht und Erbauung, ein Hort der köstlichen Güter der Reformation: des Bibelglaubens und der Geistesfreiheit, ein Wahrzeichen des kirchlichen Sinnes, in dem Jesus Christus der Eckstein und alleinige feste Grund ist: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebräer 13,8)
Quelle: Festschrift der evangelischen Kirchengemeinde Gottmadingen anlässlich der Glockenweihe 1956

Rohbau der Kirche 1936/37
